Software Review: BoinxTV

Zur Zeit der Renner ist ja das Software Bundle von MacHeist. Für nur 39 US-Dollar erhält der gemeine MacUser 12 nützliche Programme im Wert von 627 USD. Via Twitter machte DevBlogger mich darauf aufmerksam, das mit BoinxTV ein tolles Video-Production-Tool dabei sei.

BoinxTV ist eine Broadcasting Software die auch Live-Streaming unterstützen soll. Der Slogan von BoinxTV verspricht: „Turn your Mac into a TV-Studio“. Grund genug also die 30-Tage-Testversion auszuprobieren.

Der erste Eindruck ist sehr positiv. Aufgeräumt und ebenen-basiert ist alles schnell verständlich und selbsterklärend.

Was BoinxTV genau kann, fasst dieser Artikel auf golem.de ziemlich gut zusammen.

Toll sind in aus meiner Sicht die Templates und Animationen, die in die eigenen Produktionen eingebaut werden können (Banner, RSS-Laufbänder, Medien). Hier ist die Software klar besser als die Freeware CamTwist. Auch lässt sich eine richtige Bild-Regie mit drei Kamera-Inputs fahren.

Ebenfalls eine tolle Sache ist der Live-Chromakeyer. So etwas hatte ich bislang auch noch nicht in meinem Software-Portfolio.

Konzeptuell ist das Programm klar für Live-Produktionen ausgerichtet. Für normale Produktionen gibt es schließlich den klassischen Workflow mit der Trennung von Aufnahme und Postproduktion.

Einschränkung: Möglicherweise zielt Boinx.TV auf die junge Zielgruppe von YouTube-Filmern, die den Umgang mit professionellen Tools scheuen. Für diese Gruppe ist Boinx tatsächlich auch für nicht-live produzierte Videos interessant. Dessen ungeachtet kann der Aufbau als TV-Studio aber nur als Live-Tool gedacht sein.

Umso erstaunlicher ist deshalb, das BoinxTV für den Live-Broadcaster auf halben Wege stehen bleibt. Einzig möglicher Live-Output ist ein Kontroll-Signal, dass auf dem eigenen Monitor bzw. Zweitmonitor ausgegeben wird:

ss_boinxtv21

Das Problem: Zum Live-Streaming brauche ich ein Signal, dass von UStream, JustinTV, Mogulus und Co. als Input (Kamera) erkannt wird. Dies gilt ebenso für den Flash-Media-Encoder (H.264-Streaming via RTMP) und Quicktime-Broadcaster. Leider ist diese Output-Funktionalität wohl „vergessen“ worden.

Als Notlösung schlägt der Hersteller von BoinxTV nun vor, man möge das ausgegebene Kontrollbild mit einer Screencasting-Software vom eigenen Desktop „abfilmen“:

ss_boinxtv

Als passende Software verweist BoinxTV hier auf GrapperRaster (kostet 29 US-Dollar).
GrabberRaster kann dann das abgefilmte Signal live als kompatiblen Kamera-Input für Streaming-Encoder  bzw. die Web 2.0 Livestreaming Dienstleister (UStream und Co.) ausgeben:

Bevor nun jemand meint GrapperRaster kaufen zu müssen: Die 29 Dollar kann man sich sparen: Die Freeware CamTwist kann den Job genauso erfüllen.

CamTwist/GrabberRaster wird von Ustream und Co. nun endlich als Kamera erkannt, d.h. man kann nun tatsächlich sein Signal zum Streaming-Server (z.B. Ustream.TV) schicken, der die Umwandlung zu einem Flash-Stream übernimmt. Dies wird nun schlussendlich auf dem Ustream-Player als Live-Bild ausgegeben.

Auf meinem Rechner durchlaufen die Signale also folgende Stationen: BoinxTV -> CamTwist -> Ustream-Uploader -> via Internet -> Ustream.tv.

Das ist nicht schön, weil zum einen zwei Render-Engines gleichzeitig auf meinem Mac laufen (Boinx und Camtwist) und zum anderen: Ich kann meinen eigenen Desktop während der Live-Sendung nur eingeschränkt benutzen, weil ich ihn ja gleichzeitig „abfilmen“ muss. Andere Aufgaben wie Medien-Bereitstellung, Chat-Moderation, Twitter-Client und der Signal-Check der verwendeten Kameras, sind realistisch nur mit Zweit-Monitor möglich.

Das alles kann keine professionlle Lösung sein. Hier muss BoinxTV seine Software in jedem Fall soweit erweitern, dass es einen vernünftigen webfähigen (flash) Signal-Output gibt, der von den entsprechenden Livestreaming-Anbietern wie UstreamTV auch als Input-Signal erkannt wird – und zwar ohne den Umweg Desktop „abfilmen“. Eine Runde Sache wäre BoinxTV, wenn noch ein Flash (H.264) Encoder in die Software integriert wäre. Für eine professionelle Bildqualität ist es eigentlich zwingend bei UStream/Mogulus/MakeTV ein H.264-Signal per rtmp abzuliefern.

Fazit: 499 Dollar für die Vollversion von BoinxTV sind derzeit nicht gerechtfertigt. Die 39 Dollar im MacHeist-Bundle sind schon eher angemessen. Allerdings bekommt man im Bundle von MacHeist nur eine „Sponsored Edition“ (VK 199,- USD). Diese ist für gewerbliche Nutzung eher nicht geeignet, weil bei jeder Sendung fünf Sekunden Boinx-Werbung läuft.

Meine Empfehlung für angehende Live-Streamer ist eine andere Wahl: Die Software Wirecast 3.5 von Telestream. Für 449,- USD bekommt man hier ein Programm, dass all das kann, was BoinxTV eigentlich können sollte.

Update:

Habe gerade Wirecast intensiv getestet. Anscheinend ist heutzutage niemand mehr in der Lage fehlerfreie Software zu bauen. Auch Wirecast hat also einen großen Schwachpunkt: 16:9 funktioniert leider nicht korrekt. Non-Square-Pixel werden beim Kamera-Input nicht richtig erkannt. Es gibt auch keine Möglichkeit diesen Fehler zu beheben (Distortion/Change Aspect Ratio).

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